Pharma-Forum 2007
Zeit, vom Reden zum Handeln überzugehen!
Brüssel, 26. Juni 2007 – Der Zeitpunkt für klare Entscheidungen und konkretes Handeln ist gekommen, wenn Europa wieder zum weltweit führenden Player in Sachen pharmazeutische Innovation werden will. Das war die Kernaussage, die Arthur J. Higgins, Vorsitzender des europäischen Verbands der pharmazeutischen Industrie EFPIA und Vorstandsvorsitzender der Bayer HealthCare AG, heute in seinem Vortrag beim zweiten Treffen des High-Level Pharmaceutical Forum in Brüssel machte.
“Das Forum hat bisher unsere Erwartungen nicht erfüllt, es hat sich nicht mit seinem Hauptziel befasst, sondern ist stattdessen bloß zu einer weiteren Diskussionsplattform geworden, bei der es um die Kosten von Medikamenten geht und nicht um deren Wert und Beitrag zu Gesundheit und Wohlstand von Europa”, urteilte Arthur J. Higgins.
“Ich habe die dringende Bitte, dass wir uns auf konkrete, realisierbare Ziele konzentrieren”, fügte Higgins hinzu, “die uns wirklich weiterbringen – sowohl auf der Gemeinschaftsebene wie auf der Ebene der der Einzelstaaten – zum Nutzen der Patienten, der Gesundheitssysteme und der Wettbewerbsfähigkeit Europas.”
In den drei identifizierten Schwerpunktbereichen – Preisgebung und Erstattung, relative Wirksamkeit und Information der Patienten – besteht weiter Handlungsbedarf.
Preisgebung und Erstattung
Dringend erforderlich seien Richtlinien auf europäischer Ebene zur Preisgebung und Erstattung für Medikamente, um eine bessere Symmetrie zu gewährleisten zwischen (a) dem legitimen Ziel nationaler Regierungen, die Gesundheitsausgaben in Grenzen zu halten, (b) dem Recht europäischer Patienten auf die beste verfügbare Versorgung und (c) der fairen Honorierung der Industrie für Forschung und Innovation. Arthur Higgins forderte die Mitgliedstaaten auf, “bei ihren Beschlüssen zu Preisgebung und Erstattung eine weit gefasste Definition des Begriffs ‚Wert’ zu erwägen, die den therapeutischen Wert, Lebensqualität und sozioökonomische Vorteile einbezieht.”
Darüber hinaus plädiert die Industrie für eine explizite Billigung von Maßnahmen zur Beschränkung des Umfangs der Preisbindung auf Medikamente, die zur Verwendung im eigenen Staatsgebiet der Mitgliedstaaten vorgesehen sind (G10-Empfehlung 6).
“Diese eine Empfehlung, die schnell umgesetzt werden könnte, würde Firmen die Flexibilität geben besser zugeschnittene Lösung anzubieten, die die wirtschaftliche Situation von verschiedenen Ländern berücksichtigt”, so Higgins.
Relative Wirksamkeit
Größere Transparenz, Qualität und Konsistenz sind in Kosten-Nutzen-Bewertungen von Arzneimitteln (HTA-Systemen) überall in Europa erforderlich. Arthur Higgins betonte, die EFPIA wolle gemeinsam mit den Stakeholdern des Forums eine Toolbox erarbeiten, um so die Mitgliedstaaten in Fragen der Methodik, der Datennutzung und der Koordination von HTA-Anfragen an die Industrie zu unterstützen.
Er begrüßte die Klarstellung der Europäischen Kommission, dass sie nicht beabsichtige, eine europaweite Beurteilung der relativen Wirksamkeit einzuführen, und die Erkenntnis, dass Erstbeurteilungen naturgemäß immer vorläufig sind, da sie Daten aus der realen klinischen Praxis erfordern. “Das Fehlen von Daten zum Zeitpunkt der Zulassung sollte den Marktzugang und die Erstattung für ein Produkt nicht einschränken oder verzögern”, so Higgins weiter.
Informationen für Patienten
Das derzeitige Fehlen eines modernen gemeinschaftlichen Rahmens zur Information über Gesundheit und Medikamente beschneidet das Recht europäischer Patienten und Bürger auf Zugang zu hochwertigen Gesundheitsinformationen. Die pharmazeutische Industrie verfügt über ein einzigartiges Know-how im Bereich Medikamente und Krankheiten und ist bereit, neben Medizinern, Pharmazeuten und Gesundheitsbehörden eine verantwortungsvolle Rolle bei der Bereitstellung neutraler Informationen zu übernehmen.
“Ein verbesserter Zugang zu Informationen führt zu besserer Prävention und Compliance, was wiederum eine kosteneffektivere Gesundheitsversorgung zur Folge hat”, sagte Arthur Higgins. “Wenn wir wirklich davon überzeugt sind, sollten wir die Vertrauensbarriere überwinden und uns zum Ziel setzen, bis 2009 eine neue, umfassende EU-Gesundheitsinformationsstrategie zu haben.”