11 Dinge, die Sie (vielleicht) noch nicht über Aspirin wussten
1. Aspirin in der Weltliteratur
Literaturnobelpreisträger Thomas Mann schrieb am 25. November 1918 kurz und knapp in sein Tagebuch: „Zum Abendessen, an K.'s Bett, trank ich Punsch, der mir warme Füße machte, und nahm Aspirin®. Besserung.“ Lakonischer ist die Wirkung der Tablette nie beschrieben worden. Auch Krimiautor Raymond Chandler und Thrillerexperte Frederick Forsyth verschafften der weißen Tablette in ihren Erzählungen helfende Auftritte.
Seitenanfang2. Aspirin im Papiertütchen
In den ersten Jahren verkaufte Bayer das Aspirin als feines, weißes Pulver in Flaschen an Apotheken. Die Pharmazeuten dort wiederum füllten Portionen à 500 Milligramm in Papiertütchen ab, die sie an die Kunden abgaben. Seit 1904 wird Aspirin als Tablette vertrieben, um eine gleich bleibende Dosierung zu gewährleisten – als eines der ersten Medikamente weltweit, die standardmäßig und in gleich bleibender Qualität in dieser Form angeboten wurden. Außerdem sollte das aufgeprägte Bayer-Kreuz einen Schutz vor Fälschungen bieten.
Seitenanfang3. Die Eigenmächtigkeit des Entdeckers
Als Chemiker in Diensten von Bayer war Dr. Felix Hoffmann ein pflichtbewusster Mann, der sich keinerlei Eigenmächtigkeiten erlaubte. Bis auf eine: Weil seine Chefs von dem neuen Wirkstoff nicht sofort überzeugt waren, verschickte er seine Acetylsalicylsäure an das Diakonissenhaus in Halle/Saale, wo es ein ihm bekannter Arzt an Patienten testete. Dessen positive Erfahrungsberichte trugen wesentlich zur raschen Markteinführung bei. Oberarzt Kurt Wittauer berichtete: „Durch meine günstigen Erfahrungen hat sich die Fabrik nach langem Zögern bereitfinden lassen, das Aspirin nunmehr in den Handel zu bringen, und ich will nur hoffen, dass die schwierige Herstellungsweise nicht einen allzu hohen Preis bedingt, damit dieses, wie ich glaube, wertvolle Mittel allgemein in Gebrauch genommen werden kann.“
Seitenanfang4. Der Vater des Entdeckers
Felix Hoffmann half mit seiner Entdeckung auch seinem Vater, der jahrelang unter qualvollen Schmerzen litt, die ihm eine rheumatische Erkrankung bereitete. Von seinen Ärzten hatte er deshalb Natriumsalicylat verordnet bekommen. Doch das Mittel auf Basis von Salicylsäure schmeckte so entsetzlich, dass sich der Patient nach jeder Einnahme übergeben musste. Mit seiner Acetylsalicylsäure konnte Felix Hoffmann diese Nebenwirkung beseitigen und seinem Vater Erleichterung verschaffen.
Seitenanfang5. Der Entdecker im Ruhestand
Obwohl Felix Hoffmann als der „Vater“ des Aspirins weltbekannt war, verschwand er nach seiner Pensionierung 1928 völlig aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Er schrieb keine Bücher, hielt keine Vorträge – stattdessen wanderte er in die Schweiz aus, lebte dort völlig zurückgezogen und widmete sich bis zu seinem Tode im Jahre 1946 der Kunstgeschichte.
Seitenanfang6. Die Aspirin-Inspiriation
Dass Aspirin wirkt, war von Anfang an bekannt. Aber warum, das blieb ein Dreivierteljahrhundert eines der großen Geheimnisse der Medizin. Erst 1971 publizierte der britische Wissenschaftler Prof. Sir John R. Vane seine Entdeckung, dass der Wirkstoff von Aspirin die Fähigkeit hat, die körpereigene Bildung von Prostaglandinen (Schmerzbotenstoffe) zu unterbinden. Dafür erhielt er elf Jahre später den Nobelpreis. Die Idee kam ihm übrigens nicht bei der Arbeit im Labor, sondern am Wochenende zu Hause, während er einen Artikel schrieb. Gleich am Montag begann er dann mit den Experimenten, die ihn zum Ziel führten.
Seitenanfang7. Aspirin im Weltall
Aspirin trat seinen Siegeszug nicht nur auf dem gesamten Erdenrund an, sondern auch 400.000 Kilometer davon entfernt, und zwar als Bestandteil der Bordapotheke sämtlicher Apollo-Raumschiffe, die die NASA zum Mond schickte – sowohl bei den Umkreisungen des Trabanten 1968/69 wie auch den sieben Landungen in den Jahren 1969 bis 1972 (Apollo 11 bis Apollo 17). Dr. Charles Berry, der damals medizinische Direktor der US-Raumfahrtbehörde, sagte: „Aspirin wird als Standardmittel bestimmt bis in alle Ewigkeit benutzt werden.“
Seitenanfang8. Aspirin als Zahlungsmittel
Die Tablette wurde nicht nur als Schmerz-, sondern auch als Zahlungsmittel eingesetzt. Und zwar in Südamerika in den Zeiten der Hyperinflation im vergangenen Jahrhundert, als das Geld praktisch wertlos geworden war. Damals, so wird berichtet, war es durchaus üblich, einige Tabletten des auf dem Kontinent weit verbreiteten Schmerzmittels als „Wechselgeld“ herauszugeben, da es erheblich wertbeständiger war als die eigentliche Währung.
Seitenanfang9. Aspirin in Vasen
Ein wenig bekannter Trick, das Leben von Schnittblumen zu verlängern, ist die Zugabe von Aspirin ins Blumenwasser. Dadurch wird das Welken verlangsamt. Dieser Effekt geht auf die Salicylsäure zurück, die als Signalstoff bei der pflanzlichen Abwehr eine wichtige Rolle spielt.
Seitenanfang10. Aspirin in Zahlen
Schmelzpunkt von Acetylsalicylsäure: 135 Grad * Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als meisterverkauftes Medikament: 1950 * Zahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen über Aspirin pro Jahr: 3500 (ca.) * Zahl der jährlich hergestellten Aspirin-Tabletten (umgerechnet auf 50-mg-Tabletten): 100 Milliarden *
Seitenanfang11. Aspirin als Beispiel für Erfindergeist
Das Jahrhundertmedikament wurde oftmals als besonders Beispiel für deutschen Erfindergeist hervorgehoben: „In Deutschland wurde das erste Auto gebaut, der Computer erfunden und Aspirin entwickelt.“ (Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung am 30. 11. 2005) „Deutsche Erfolge überspannen die ganze Breite menschlichen Lebens. Von der Philosophie über Musik und Literatur bis hin zur Entdeckung der Röntgenstrahlen und der Massenproduktion von Aspirin.“ (Queen Elisabeth II. anlässlich eines Staatsbesuchs von Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1986)
Seitenanfang