Geburt eines Klassikers
Im Jahr 1897 synthetisierte der Bayer-Chemiker Felix Hoffmann zum ersten Mal in reiner und haltbarer Form die Acetylsalicylsäure (ASS), die als Wirkstoff von Aspirin Weltkarriere schrieb und – als Schlüsselfigur der Arzneimittelforschung – weiter schreibt.
Es ist eine der ganz großen Erfolgsstorys der Medizingeschichte. Und wenn man so will, auch eine Familiengeschichte. Bereits viele Jahre litt der Vater des Chemikers Dr. Felix Hoffmann unter qual-vollen Schmerzen, die ihm sein Rheuma bereitete. Die Ärzte hatten ihm deshalb Natriumsalicylat verordnet, ein Mittel auf Basis von Salicylsäure. Das schmeckte allerdings so entsetzlich, dass sich der Patient nach jeder Einnahme übergeben musste.
Der Sohn unternahm den Versuch, das Präparat zu optimieren. Mit Erfolg. Felix Hoffmann, Mitarbeiter der pharmazeutisch-chemischen Forschung bei Bayer, gelang ein Meisterstück: Durch Acetylierung der Salicylsäure mittels Essigsäure (lateinisch acetum) gewann er Acetylsalicylsäure (ASS) in einer chemisch reinen und stabilen Form. Diese hatte nicht nur einen angenehmen herb-säuerlichen Geschmack. Es zeigte sich auch, dass sie im Vergleich zu anderen Salicylsäure-Verbindungen einen schonenderen Effekt auf die Magenwände hatte.
Stichtag: 10. August 1897
Das historische Laborblatt der Erstsynthese datiert auf den 10. August 1897 und ist quasi der Geburtsschein für ein Medikament, das die Welt prägen sollte: Aspirin. Unter diesem Namen wird die Substanz am 6. März 1899 in die Warenzeichenrolle des Kaiserlichen Patentamtes in Berlin aufgenommen.
Weltweiter Siegeszug
Seitdem hat der Wirkstoff einen Siegeszug angetreten, der seinesgleichen sucht. Mit Stärke vermischt, wurde ASS als Aspirin als eines der ersten in Großfertigung hergestellten Medikamente überhaupt in der klassischen Tablettenform angeboten und avancierte in kurzer Zeit zum weltweiten Standard gegen Schmerzen, Entzündungen und Fieber. Zur weißen Tablette gesellten sich rund 90 Jahre später unter anderem noch Aspirin-Varianten zum Kauen, als Granulat, in Brauseform oder als Injektionslösung. Heute gilt Aspirin als erfolgreichstes rezeptfrei erhältliches Medikament aller Zeiten.
Vielkönner ASS
Mit gutem Grund. ASS wirkt schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend. Wie John R. Vane, Professor für Pharma-kologie am Londoner Royal College, Anfang der 1970er Jahre herausfand, hemmt der Wirkstoff die körpereigene Produktion der schmerzverstärkenden Prostaglandine. Eine Entdeckung, für die Vane im Jahr 1982 den Nobelpreis für Medizin erhielt.
Heute steht jedoch längst fest, dass der Wirkstoff noch weit mehr kann. Tatsächlich verfügt kaum eine andere Substanz über eine derartige therapeutische Vielfalt. Entsprechend groß ist das Interesse der Forschung: Jedes Jahr beschäftigen sich rund 3.500 wissenschaftliche Veröffentlichungen mit neuen Wirkmechanismen und Indikationsgebieten der Acetylsalicylsäure. Die Erkenntnisse sind bemerkenswert: Sie reichen vom Einsatz von ASS bei Diabetes vom Typ 2 oder in der Migränetherapie über die Prophylaxe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zur Prävention verschiedener Krebsarten.
Achtes Weltwunder
Heute ist Aspirin in über 80 Ländern erhältlich. Ein Höhenflug im wahrsten Sinn des Wortes: Aspirin-Tabletten reisten im Jahr 1969 an Bord der Raumfähre Apollo 11 sogar mit ins All. 74 Prozent der US-Bevölkerung halten Aspirin heute für das achte Weltwunder. „Take two Aspirin and call me in the morning“, lautet ein geflügelter Begriff.
Ein Ende für das Multitalent ASS ist nicht in Sicht, wie Gary S. Balkema, bei Bayer HealthCare Leiter der Division ConsumerCare, betont: „Aspirin ist als Medikament unschlagbar. Es steckt immer noch viel Potenzial im Wirkstoff des Bayer-'Flaggschiffs'“. Die ASS-Zukunft ist also spannend.
Hinweis für Patienten:
Jeder Körper reagiert anders auf Medikamente. Deswegen können wir Ihnen nicht sagen, welches Medikament für Sie das richtige ist. Bitte fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.